IT-Leiter tragen Verantwortung für Systeme, die niemand sieht – aber jeder nutzt. Dieser Artikel zeigt, warum saubere Kommunikation zwischen IT und Marketing kein Nice-to-have ist, sondern Schutz für Architektur, Betrieb und Entscheidungen.
KI-infused System Administration: Einführung in AI-Ops
Einleitung
2026 wird kein Jahr der großen Cloud-Neuheiten, sondern der unbequemen Wahrheiten. Steigende Komplexität, AI-getriebene Workloads, neue regulatorische Anforderungen und wachsende Abhängigkeiten zwingen Unternehmen dazu, Cloud neu zu denken – nicht als Technikprojekt, sondern als Betriebsmodell. Wer Kosten, Sicherheit, Compliance und Resilienz weiter getrennt betrachtet, bremst sich selbst aus. Dieser Artikel zeigt, welche Cloud- und Infrastrukturtrends 2026 wirklich relevant sind – und was sie konkret für IT-Entscheider bedeuten.
Souveränität & Compliance: wichtiger – aber bitte pragmatisch
Souveränität heißt im IT-Kontext nicht, dass alles zurück ins Rechenzentrum muss oder nur in die deutsche oder EU-Cloud, weil es sich gut anfühlt.
Es heißt vor allem: Wir behalten die Kontrolle über kritische Daten und Prozesse – auch wenn sich die Spielregeln ändern.
Und genau das wird 2026 zum strukturellen Entscheidungsfaktor, weil drei Dinge gleichzeitig stärker werden:
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- Regulatorischer Druck (Third-Party Risk, Resilienz, Nachweisfähigkeit)
- Mehr Abhängigkeiten (Cloud + SaaS + Subprozessoren + AI-Plattformen)
- Systemische Risiken (Provider-Ausfälle, geopolitische Risiken, neue Sicherheitslagen, Lieferkettenrisiken)
Was ich dabei immer wieder sehe: Viele Unternehmen haben „Souveränität“ entweder als Buzzword im Strategiepapier – oder als Reflex („dann machen wir halt alles On-Prem“). Beides ist schlecht. Entscheidend ist, dass Souveränität bei kritischen Workloads eine Betriebseigenschaft wird – nicht nur ein gutes Gefühl. Wichtig: Nicht jedes System braucht maximale Souveränität. Aber für bestimmte Workloads wird sie zur Pflicht – und zwar nicht als „Konzeptfolie“, sondern als echte Betriebseigenschaft.
FinOps wird Standard: Kosten werden Architektur- und Führungsfrage
Cloud-Ausgaben sind in vielen Organisationen nicht einfach zu hoch. Sie werden einfach zu wenig gesteuert.
Kosten verschwinden irgendwo zwischen Produkten, Teams und Plattformen – und wenn dann optimiert wird, ist es meistens schon zu spät. Klassiker: Die Cloud-Rechnung kommt, alle sind überrascht – und dann startet ein dreiwöchiger „Wer war das?“-Prozess. Spoiler: Das war niemand. Das war fehlendes Kosten-Ownership. 2026 sollte FinOps deshalb zum Standard-Betriebsmodell werden.
Was das konkret bedeutet:
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- Kosten werden als Produktmetriken gedacht (Kosten pro Nutzer/Transaktion/Feature)
- Engineering und Product tragen stärker Kostenverantwortung
- Automatisierte Leitplanken mit Benachrichtigungen, Limits und Freigabeprozessen ersetzen manuelle Kosten-Reviews
Und ja: Cloud-Kosten sind für viele Unternehmen immer noch ein Budget-Risikofaktor. Durch steigende AI/ML-Kosten wird das jedoch ohne FinOps nicht besser, sondern nur noch schlimmer.
Was IT-Entscheider jetzt tun sollten
1. Kosten sauber zuordnen – als Standard, nicht als Ausnahme
Jede Cloud-Ressource (VM, Datenbank, Storage, Kubernetes-Cluster) muss klar einem Team, Produkt oder Projekt zugeordnet sein.
Wie?
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- Verpflichtendes Tagging
- Nutzung von Showback (Transparenz für Teams)
- Nutzung von Chargeback (Kosten werden tatsächlich belastet)
Ergebnis: Kosten sind nicht mehr „IT-Gemeinkosten“, sondern steuerbar.
2. Wirtschaftlichkeit in die Roadmap einbauen (Unit Economics)
Features und Produkte werden nicht nur nach Nutzen, sondern auch nach laufenden Betriebskosten bewertet.
Kennzahlen:
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- Kosten pro Nutzer
- Kosten pro Transaktion / API-Call
- Kosten pro Report / Prozess / AI-Run
Neue Features müssen nicht nur technisch machbar sein, sondern auch wirtschaftlich skalieren.
3. FinOps und Architektur zusammen denken – nicht getrennt entscheiden
Cloud-Kosten sind fast immer Folge von Architekturentscheidungen. FinOps muss früh eingebunden sein.
Fragen:
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- Welche Architekturvariante ist langfristig günstiger?
- Was sind die Kostenrisiken bei Wachstum (10× Nutzer, 100× Daten)?
- Welche Designentscheidungen reduzieren Betriebskosten nachhaltig?
So wird FinOps vom „Sparprogramm“ zur strategischen Steuerung.
Hybrid- & Multi-Cloud werden pragmatischer
Multi-Cloud ist Realität – aber 2026 wird sie gezielter eingesetzt: nicht als Prinzip, sondern als Antwort auf konkrete Anforderungen (Resilienz, Datenlokalität, M&A, Spezialservices).
Was sich durchsetzt:
- Hybrid bleibt für Enterprise-IT der Normalfall
- Multi-Cloud wird selektiver (Portabilität dort, wo sie Nutzen stiftet)
- Workloads werden stärker klassifiziert (kritisch, latency-sensitiv, daten-sensitiv, AI-heavy)
Was IT-Entscheider tun sollten
- Workload-Klassen definieren + Zielumgebungen je Klasse festlegen
- Portabilität nur für kritische Systeme erzwingen (sonst explodiert Komplexität)
Ich bin ein Fan von Portabilität – aber nicht von Portabilität als Selbstzweck. Wer überall cloud-agnostisch sein will, baut sich meistens eine Infrastruktur, die vor allem eins ist: teuer und langsam. Portabilität kostet immer, denn es bedeutet im Normalfall zusätzliche Abstraktionsschichten (z. B. Kubernetes-only, keine Managed Services), mehr Standardisierung und Einschränkungen, höherer Betriebsaufwand und mehr Tests, mehr CI/CD-Varianten, mehr Monitoring.
Portabilität: Versicherung, nicht Selbstzweck
Wenn ihr Portabilität für alle Systeme erzwingt, bekommt ihr oft weniger Innovation (weil Teams nicht die besten Cloud-Services nutzen dürfen), mehr Komplexität, höhere Kosten – und am Ende trotzdem keine echte Exit-Fähigkeit, weil es nie geübt wird. Portabilität ist eine Versicherung. Und Versicherungen kauft man für das, was kritisch ist – nicht für alles.
Pragmatische Regel:
- Kritische Systeme: Portabilität / Exit-Option verpflichtend
- Unkritische Systeme: Optimieren statt portieren –
Warum? Jede zusätzliche Freiheit kostet: mehr Abstraktion, mehr Tests, mehr Betriebsaufwand. Komplexität ist ein Kostenfaktor – nicht nur Technik, sondern Governance, Skills und Tooling.
Frage für jede Entscheidung:
Was kostet uns diese zusätzliche Freiheit – und lohnt sie sich wirklich?
Security: Fokus auf Identity, Supply Chain & Automatisierung
2026 ist Security nicht primär ein „Netzwerkproblem“, sondern ein Identitäts- und Lieferkettenproblem:
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- Angriffe laufen über Credentials, Tokens, Secrets
- Third-Party-Risiken steigen (SaaS + Subprozessoren + Open Source)
- Policies werden automatisiert („Security-as-Code“)
Die unangenehme Wahrheit: Die meisten Security-Probleme entstehen nicht durch brillante Hacker, sondern durch langweilige Dinge – zu lange gültige Keys, zu breite Rechte, und Abhängigkeiten, die niemand wirklich kennt. NIS2 setzt dafür einen starken Fokus auf Cyber-Risikomanagement, Reporting und Supply-Chain-Aspekte in der EU. Die Richtung ist klar: Security muss systematischer und durchsetzbarer werden – auch über Zulieferketten hinweg.
Was IT-Entscheider tun sollten
- Identity-first Security (inkl. Service Identities) priorisieren
- Für Menschen: MFA/SSO, Conditional Access, least privilege
- Für Services: klare Rollenmodelle, Identity Federation, Workload Identity (statt „statische Keys“)
- Für alle: zentrale Policy, Audit Trail und Monitoring
- Secrets & Keys kurzlebiger und automatisiert verwalten
- Supply-Chain Security professionalisieren (z. B. SBOM, Dependency Policies)
Software ist heute ein Ökosystem – kein geschlossenes Produkt. Angriffe passieren zunehmend indirekt über kompromittierte Libraries, manipulierte Updates, gekaperte CI/CD Tokens oder unsichere Container Images. Ziel muss sein, die gesamte Lieferkette zu schützen.
AI macht Infrastruktur wieder knapp: GPU-Strategie wird entscheidend
AI ist 2026 der größte Infrastrukturtreiber – Inferenz, Training, Vektor-Suche, Echtzeitdaten.
Jeder will AI, aber kaum jemand plant die Infrastruktur. GPU-Strategie ist wie Backup: unsichtbar, bis es brennt. Was man tun kann:
- AI-Workloads separat planen (Kosten, Sicherheit, Monitoring)
- Kapazitätsstrategie definieren (reserviert vs. on-demand vs. eigene Hardware)
- Architektur an Use Cases koppeln (Realtime vs Batch)
- Trends im Blick behalten: DSLMs, autonome KI-Agenten, KI im Development
Observability wird smarter: weniger Daten, mehr Entscheidungsfähigkeit
Viele Organisationen haben heute bei Monitoring/ Observability ein typisches Problem: Es wird sehr viel gemessen – aber zu wenig davon führt zu besseren Entscheidungen. Logs, Metriken und Traces wachsen unkontrolliert, Alarme schlagen zu oft an, Teams stumpfen ab – und am Ende ist Observability zwar teuer, aber nicht wirklich handlungsleitend. 2026 verschiebt sich der Fokus: Observability wird outcome-driven. Ziel ist nicht mehr Daten zu sammeln und zu nutzen, sondern die richtigen für eine bessere Steuerung von Resilienz und Business Impact.
Was zählt:
- KPIs als Steuerungsinstrument: klare Serviceziele für Verfügbarkeit, Latenz, Fehlerquote
- Kosten aktiv steuern: Sampling, Retention, Hot/Cold Storage
- Evidence-by-design: Incidents audit-ready machen (Logs, Changes, Nachweise)
- Kurz: Mehr Daten ≠ mehr Klarheit I Weniger Noise, mehr Entscheidungsfähigkeit
Fazit: 2026 gewinnt, wer Steuerbarkeit baut
Wenn ich das alles auf einen Satz runterbrechen muss, dann diesen: 2026 wird das Jahr, in dem sich zeigt, ob eure Cloud gut aussieht – oder ob sie im Ernstfall wirklich funktioniert. 2026 wird nicht das Jahr der nächsten großen Cloud-Plattform, sondern das Jahr, in dem Cloud- und Infrastrukturentscheidungen erwachsen werden dürfen und müssen – denn der Druck wächst.
Kosten, Sicherheit, Resilienz, Compliance und AI lassen sich nicht mehr getrennt behandeln – sie beeinflussen sich gegenseitig und entscheiden gemeinsam darüber, ob IT weiterhin schnell liefern kann oder in Komplexität und Risiko steckenbleibt.
Die zentrale Aufgabe ist deshalb Steuerbarkeit:
- Souveränität pragmatisch dort absichern, wo sie kritisch ist (Exit, Vendor Risk, Nachweisbarkeit), ohne Innovation überall auszubremsen.
- FinOps als Führungs- und Architekturdisziplin etablieren, damit Cloud-Kosten planbar werden – gerade mit steigenden AI/ML-Ausgaben.
- Hybrid und Multi-Cloud gezielt einsetzen, statt Komplexität um ihrer selbst willen aufzubauen.
- Security und Observability stärker automatisieren und standardisieren, um Lieferkettenrisiken, Identitätsrisiken und Betriebsstabilität beherrschbar zu machen.
- AI-Infrastruktur strategisch planen, bevor GPU-Kapazität, Kosten und Governance zur Blockade werden.
Wer 2026 erfolgreich sein will, braucht weniger Tool-Debatten – und mehr klare Prinzipien:
Welche Workloads sind kritisch? Welche Standards gelten? Welche Risiken akzeptieren wir – und welche nicht?
Unternehmen, die diese Entscheidungen konsequent operationalisieren, gewinnen im nächsten Jahr das, was am meisten zählt: Tempo mit Kontrolle.
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