Mehr Infos

Unser Interlake Lern Café vom 26.04. zum Thema Storytelling im E-Learning

Unser vergangenes Lern Café war wieder einmal ein voller Erfolg: über 200 Teilnehmende waren neugierig auf das Thema Storytelling im E-Learning, von dem unsere Expertin Carolin Lüken diesmal berichtete und aus dem Nähkästchen und ihrem Erfahrungsschatz plauderte. Highlight bei diesem Lern Café war unser externer Gast, Tobias Körtge von HvS aus München, der ein Praxisbeispiel, ein umfangreiches E-Learning zum Thema IT-Security mit Einsatz von Storytelling, gezeigt hat.

 

Was ist Storytelling? 

Storytelling ist eine Methode, um Inhalte zu vermitteln. Aber warum braucht es das? Für den Lernenden kann die schiere Masse an Fakten, die in einer Lerneinheit vermittelt wird, manchmal überfordernd und schwer einzuprägen sein. Erst recht, wenn das E-Learning nicht ansprechend genug gestaltet ist. Hier kommt Storytelling zum Einsatz.  

Beim Storytelling im E-Learning geht es darum, die Lerninhalte in Geschichten zu verpacken und darüber dem Lernenden zu ermöglichen, die Fakten besser zu verstehen sowie tiefer zu verankern. Denn Menschen lieben Geschichten. Manfred Spitzer, Neurowissenschaftler und Psychiater, verdeutlicht diesen Zusammenhang wie folgt: 

 „Geschichten treiben uns um, nicht Fakten. […] Einzelheiten machen nur im Zusammenhang Sinn, und es ist dieser Zusammenhang und dieser Sinn, der die Einzelheiten interessant macht.“ 

Geschichten werden zudem vom menschlichen Gehirn viel besser verinnerlicht als nur der Lerninhalt selbst. Bis zu 22 Mal besser, um genau zu sein. Das zeigt eine Studie des Psychologen Jerome Bruner, der zugleich Mitinitiator der kognitiven Wende in der Psychologie war. Geschichten sind also nicht nur etwas für Kinder, sondern haben auch für uns Erwachsene eine große Bedeutung. 

 

Warum sind Geschichten wichtig?  

Der Grund dafür sind Emotionen. Geschichten lösen Gefühle in uns aus – Lerninhalte, die in eine Geschichte eingebettet sind, werden dann mit diesen Emotionen verknüpft und wir können uns besser daran erinnern. Das wiederum steigert den Lernerfolg und dieser ist für das E-Learning natürlich zentral. Die eingesetzten Methoden, wie z. B. das Storytelling im E-Learning, verfolgen immer das primäre Ziel, die Lernziele bestmöglich sowie effizient zu erreichen. Durch konventionelle Lernmethoden ist das jedoch nicht immer gewährleistet. Auch wenn die Inhalte strukturiert aufbereitet werden, kann dadurch nicht beeinflusst werden, was dem Lernenden letztendlich im Gedächtnis bleibt. Die Psychologie des Lernens zeigt: wenn die Inhalte über Geschichten vermittelt werden, werden Lernziele schneller und effizienter erreicht. 

 

Vom Lerninhalt zur Story 

Storytelling im E-Learning eignet sich also gut, um Lerninhalte schnell und effizient zu vermitteln. Wie aber entsteht eine Geschichte, also wie kann diese aufgebaut werden? Dafür sind grundsätzlich vier Elemente nötig, um aus dem Lerninhalt eine Geschichte zu erstellen. 

 

Die vier Grundelemente einer Story 

  1. Die Ausgangssituation,
  2. das Problem,
  3. die Lösung
  4. das Happy End.

Durch einen roten Faden, der den Rahmen liefert, werden diese Elemente miteinander zu einer zusammenhängenden Geschichte verbunden.

 

Vier Schritte im Storytelling

 

3 Möglichkeiten für den Aufbau einer Geschichte

1. Fiktive Story

Wählt man eine fiktive Story, sind die Lernenden nur Zuschauende. Sie durchlaufen die Geschichte gemeinsam mit dem Charakter und durch diesen werden die Geschichten und die damit verknüpften Inhalte erlebbar. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich die Lernenden als Zuschauende mit den Geschehnissen identifizieren können. So wird ermöglicht, dass die Emotionen der Geschichte die Lernenden innerlich berühren und durch die Erfahrungen und Erlebnisse gelernt werden kann.

2. Szenario

Bei einem Szenario sind die Lernenden Bestandteil der Geschichte. Durch eigene Entscheidungen beeinflussen sie den Verlauf und bekommen so direktes Feedback. Das direkte Feedback wiederrum ruft Emotionen hervor, die mit den Entscheidungen als Erfahrungen verinnerlicht werden. Diese Erfahrungen können die Lernenden dann in die Praxis übertragen.

3. Fallstudie

Eine weitere, eher abstraktere Möglichkeit, den Lerninhalt zu vermitteln, sind Fallstudien. Dabei werden die Lernenden direkt herausgefordert und müssen selbst mittels Recherche, Analyse oder anderer Ressourcen eine Lösung für das Problem finden. Eine Fallstudie ist also einerseits abstrakt, weil der Inhalt direkter vermittelt wird, aber gleichzeitig sehr praxisnah und lösungsorientiert, da bei einer Fallstudie reale Probleme thematisiert werden.

3 Möglichkeiten im Storytelling

 

Die Wahl der Hauptrolle

Zudem ist es wichtig, die Hauptrolle in der Geschichte passend zu wählen. Abhängig von der Zielgruppe, also den Lernenden, kommen verschiedene Charaktere zum Einsatz. Möglich sind:

  • Helden,
  • Antihelden,
  • reale Menschen oder auch
  • Tiere und Pflanzen.

 

Ein Held kann sowohl motivierend als auch demotivierend sein, es ist dabei wichtig zu wissen, wer sich mit dem Charakter identifizieren soll. Deshalb ist manchmal auch ein Antiheld die richtige Wahl, der sich bspw. mit dem Thema schwer tut und dieses dann gemeinsam mit den Lernenden erarbeitet und versteht. Reale Menschen lassen besonders viel Raum zur Identifikation, da sie dem Lernenden, von allen Charakteren, meist am ähnlichsten sind. Eine Identifikation mit den Charakteren ist aber nicht immer notwendig. Es können auch Tiere oder Pflanzen zum Einsatz kommen, die den Lernenden wie eine Art Erzähler in der Geschichte begleiten und die Situation mit hilfreichen Tipps aufheitern. Besonders bei Fallstudien bieten sich derart abstrakte Charaktere an.

Im Lern Café hielt unser Kunde HvS Consulting dann abschließend noch ein schönes Beispiel anhand des Themas IT-Security, im speziellen – Phishing, bereit. Wenn Sie mehr über die Beispiele wissen möchten, kontaktieren Sie uns gerne für Ihre nächste Storytelling-Lerneinheit!

Fazit

Das Lern Café hat gezeigt: auch für Erwachsene müssen Lerninhalte ansprechend gestaltet werden, denn Geschichten und Emotionen helfen beim Lernen. Dabei ist es wichtig, die Zielgruppe ganz genau zu kennen, damit die Geschichte optimal auf die Lernenden abgestimmt werden kann.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann haben Sie die Möglichkeit, demnächst wieder selbst teilzunehmen. Das nächste Interlake Lern Café findet am 28. Juni 2022 statt. Das Thema wird noch ausgetüftelt, aber es wird wieder spannend werden.